Die Deutschen kommen.
Mein Vater stand damals im Pruntruter Zipfel mit dem Karabiner in der Hand, um zu verhindern, dass das passiert. Jetzt dürfen wir den Deutschen „ännet“ der Grenze eins auf die Mütze geben. „Schlagt die Deutschen daheim“ titelt die Einladung des ADC-Deutschlands. Er fordert die Kreativen der Schweiz auf, sich beim Berlin Festival mit den gleichsprachigen Kollegen zu duellieren.
Ein unsinniges Anliegen, wie wir meinen. Denn dabei werden Rüebli mit Karotten verglichen oder Rande mit Rote Bete, Rahne, Rauna, Rana oder Rohne.
Es gibt zwar einen grossen deutschsprachigen Raum mit hunderten von Dialekten und teilweise komplett verwirrlichen Begriffen für ein und dasselbe, aber es gibt ganz sicher keine einheitliche deutschsprachige Kultur. Zumindest keine, wo die Schweiz dazugehört.
Da effektive Werbung jedoch ein kulturelles und nicht nur sprachliches Verständnis antizipieren muss, ist die Jurierung von Schweizer Werbung durch Deutsche in Berlin zum vorneherein eine Totgeburt. Und sie läuft komplett an den Zielen des ADC-Schweiz vorbei: Dieser möchte nämlich das Ansehen, die Wirkung und die Qualität der Werbung in unserem polykulturellen Land verbessern. Damit ist er im Übrigen bereits einen Schritt weiter als der ADC Deutschland, der noch keine Abkehr von der reinen, selbstbeweihräuchernden Awardshow postuliert hat.
Es würde auch keinem Schweizer was nützen, wenn er in Deutschland gewinnen würde. Denn Deutschland ist schlicht der falsche Massstab. Sucht man nämlich internationales Renommee, dann müssen wir – genau wie die Deutschen - gegen UK, USA, Brasilien, Spanien, Portugal und Asien bestehen können. Nur so kommen weitere internationale Mandate nach Zürich, Genf, Bern, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf oder München.
Es gibt für die Helvetier keine ökonomischen Gründe den ADC Deutschland zu unterstützen. Weil eine allfällige Auszeichnung in Berlin weder global, noch in der Schweiz zur Kenntnis genommen wird. Selbstverständlich werden einige eitle Schweizer Kreative trotzdem mitmachen. Und der ADC-Deutschland wird auch eine gute Anzahl davon gewinnen lassen, damit das nächste Mal noch mehr Arbeiten eingereicht werden. Letztlich bleibt das Ganze ein leicht durchschaubares, bauernfängerisches Marketinginstrument.
Wenn Ihr wirklich dringend Kohle braucht, liebe KollegInnen aus Deutschland, dann bewerbt Euch weiter bei uns, wir wissen zu schätzen, was Ihr könnt und unser Boot ist noch nicht ganz voll. Oder schnappt Euch einen Teil der Kohäsionsmilliarde die wir der EU demnächst überweisen werden. Sie ist zwar für den neuen Osten gedacht, aber da habt Ihr ja auch noch Löcher zu stopfen. Wir werden allfällige Profite mit einer grossen Performance sicher bei unseren Banken anlegen.
Herzlichst Euer Andy Hostettler



Das Logo da oben gefällt mir gut. Es ist halt ein Kreuz mit den Deutschen. Auch ich finde es live in der Schweiz schöner. Statt in Berlin. In Berlin gibt es keine Kronenhallen-Bar, keine Club-Sandwiches von Sprüngli, keine Maag-Kantine und der Lagavulin kostet 62 Euro statt 54 Stutz. Spricht alles für die Schweiz. Wir sehen uns am 13.Dezember.
Sali
Magnus
Danke Magnus. Du weiss es fast am besten. Wir haben überhaupt nix gegen die Deutschen. Ausser vielleicht beim Fussball. Aber wir müssen verhindern, dass noch ein unsinniger Award auf die Liste des Werbewoche-Ratings gelangt. Grüsse und bis gli Andy
Na, das mit dem Fußball habe ich mal überhört… nur keinen Neid… ;-)) Das Logo oben gefällt mir sehr gut, und der Brief von A.H. ist sehr gut nachvollziehbar. Mich würde interessieren, wie meine Landsleute über diese klare Abfuhr denken. Da sind bestimmt einige allemannische ADC-Gockel arg brüskiert…
Schöne Grüße aus Hamburg, wo’s noch am schönsten ist,
Michael Wolf
:-)
Entschuldigen Sie Herr Wolf, wir haben Ihren Kommentar etwas spät freigeschaltet. Ich bin auch gespannt. Die bisherigen Reaktionen in der Schweiz zeigen, dass es zwei Lager gibt. Die unermüdlichen Diplomjägerundsammler und dijenigen, die primär für Ihre Kunden einen guten Job machen wollen. Beste Grüsse
immer wieder lustig anzusehen-lesen-hören wie die schwiizer ihren dütschland-komplex therapieren möchten. weiter so, es gibt kaum bessere realsatire. harald schmidt hätte seine wahre freude daran ,-)