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JWT+H+F: Karriere-Neuerfindung und -erweiterung

Der Trend

Die Arbeitslosigkeit wird 2009 weiter steigen, und viele Leute werden ihre Karriereentwicklung hinterfragen, weil sie vor einer erzwungenen «Karrierepause» stehen. Viele von ihnen, die sich dem Rentenalter nähern, werden aufgrund der kleineren Vorsorgeleistungen zum Weiterarbeiten gezwungen sein.

Was bedeutet er

Wo Ungemach droht, entstehen meist auf der anderen Seite wieder neue Chancen. Schlechter bezahlte, dafür weniger risikobehaftete Branchen (wie z. B. Regierungen oder Schulen) werden vom neuen Zugang zum Talentpool profitieren, genauso wie die kleineren Finanzunternehmen oder aufstrebende Industrien wie Technologie oder Alternativenergie. Für die wagemutigeren Investoren kann es sich – sobald sich die Lage stabilisiert¬ – auszahlen, jetzt in kluge unternehmerische Risiken zu investieren. Denn schliesslich entstehen die besten Geschäftsideen (und Karriereentscheide) während hoffnungsloser Zeiten.

Die Boomjahre vor 2008 waren äusserst hektisch – Angestellte mussten immer auf Draht sein, um mitzuhalten. In einem solchen Umfeld fühlten sich manche nicht imstande, innezuhalten und sich einmal Gedanken über ihr Leben zu machen, geschweige denn dazu, etwas zu verändern. Im nächsten Jahr, während die Arbeitslosigkeit weltweit wächst, werden mehr Leute die Zeit dazu haben, ihre Karriereentscheide zu hinterfragen. Im vergangenen Jahr wurden in den USA 1.2 Mio. Jobs gestrichen, in Spanien stieg die Arbeitslosenquote von 8% im Jahr 2007 auf heute 12% an. Und in Irland hat sie mit 7% ein Zehnjahreshoch erreicht. Einige Leute werden zur Einsicht gelangen, dass die Tätigkeit, die sie zuvor ausübten, nicht richtig für sie ist, und dass eine andere ihnen mehr Lebensqualität bieten kann, sei dies im Bereich Sicherheit, Befriedigung, Geld, Abwechslung, Unabhängigkeit, etc. Andere werden einsehen müssen, dass ihre Tätigkeit künftig nicht mehr gefragt sein wird. Und die Dritten werden zu Karrierewechseln gezwungen werden und von schwachen Wirtschaftszweigen (z. B. Stahl) in aufstrebende (Windenergie) oder sicherere (Gesundheitspflege) wechseln.

Ein mexikanischer Trendforscher meint: „ Wir sehen wie Leute, die einmal als Spengler, Schreiner oder in einem anderen handwerklichen Beruf arbeiteten, in Branchen wie Design oder elektronische Medien wechseln. Es ist heute viel einfacher, als Quereinsteiger in eine andere Branche zu wechseln oder eine neue Ausbildung zu machen als je zuvor.“

Eine Reihe von regierungsfinanzierten Programmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft wird neue Jobmöglichkeiten im öffentlichen Bereich schaffen. Und in einer Zeit, in der die Businesswelt dermassen angeschlagen ist, wird das Angebot dieser zwar weniger gut bezahlten aber sichereren Jobs verlockend sein. Schulen werden ein grösseres Angebot an Lehrkräften auf dem Markt vorfinden, vor allem in den schwierig zu besetzenden Fächern wie Mathematik, Physik oder IT.

In den Grossstädten werden kleinere Firmen mit weniger gut bezahlten Stellen als in der Wall Street von diesem grossen Talentpool an entlassenen Bankiers profitieren. Einige dieser Stellensuchenden werden von diesem grossen Angebot Gebrauch machen, andere stattdessen ihre eigene Firma gründen. Viele Angestellte, die sich dem Rentenalter nähern, werden merken, dass sie weiterarbeiten müssen, weil sinkende Märkte ihre Pensionierungspläne durchkreuzen. Darunter werden viele sein, die im Rahmen dieser späten Karriere neue Ideen entwickeln. Wie ein 57-jähriger Universitätsangestellter, der nun Innendekorationskurse belegt, kürzlich der New York Times sagte: „Eigentlich dachte ich, ich würde mit ungefähr 68 in Pension gehen, aber mit all dem, was nun passiert ist, werde ich wohl bis ungefähr 75 oder 77 weiterarbeiten, jedenfalls solange ich gesund bin. Ich habe mir überlegt, was ich im Alter dann tun könnte, ohne von anderen abhängig zu sein, und werde nun vermutlich meine eigene kleine Firma gründen.“ Für diejenigen, die sich neu definieren wollen, stehen heute mehr Ressourcen denn je zur Verfügung. Und anders als früher kann man heute über das Internet Ideen austauschen, Leute kennenlernen und sich Wissen und Fertigkeiten aneignen. Expertenplattformen wie LinkedIn oder Xing verzeichnen sogar aufgrund der Wirtschaftskrise einen starken Aufschwung. Auch die Anbieter von Hochschulausbildungen (online und offline) werden einen Zuwachs sehen, genauso wie diejenigen von Fortbildungslehrgängen. Entlassene Arbeitskräfte werden sich an die Selbsthilfeindustrie, an Berater und Arbeitsvermittlungsinstitute wenden, um nach Lösungen zu suchen, und Karrierebücher mit Titeln wie „Welche Farbe hat Ihr Fallschirm?“ werden sich wie warme Semmeln verkaufen. Und während Kredite für Kleinunternehmen schwierig zu bekommen sind, werden Banken, die mit Low-Risk-Kandidaten arbeiten, einen grossen Bedarf abdecken müssen und wagemutige Investoren, die gewillt sind, in kleine kreative Start-up-Firmen zu investieren später vermutlich grosse Profite einstreichen.

Der nächste Trend folgt in einer Woche.

Quelle:
JWT+H+F, Hardstrasse 219, Postfach, 8037 Zürich
Redaktion: Ann M. Mack, Lois Saldana, Marian Berelowitz, Rainer Bühler, Remy Fabrikant

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